Projekt „Lebendige Alster“ legt erstmals umfassenden Plan für die ökologische Aufwertung des Hamburger Wahrzeichens vor
Die Außenalster ist das blaue Herz Hamburgs und für viele Menschen der Ort, an dem sie Natur mitten in der Stadt erleben. Doch ökologisch steht das Gewässer unter Druck: verbaute Ufer, hohe Nährstoffeinträge und belastete Sedimente setzen Pflanzen und Tieren zu, wichtige Lebensräume wie Röhrichte und Flachwasserzonen gehen verloren.
Eine heute veröffentlichte Machbarkeitsstudie zeigt erstmals
umfassend, wie sich die Außenalster ökologisch verbessern lässt, ohne Segeln, Rudern oder andere Freizeitnutzungen einzuschränken. Erarbeitet wurde die Studie im Auftrag des Kooperationsprojekts
„Lebendige Alster“, der Umweltverbände BUND und NABU Hamburg, das seit Mai 2024 den Fokus auf der Aufwertung der Lebensräume der Außenalster hat.
„Die Außenalster ist für viele Hamburgerinnen und Hamburger der erste Ort, an
dem sie Natur in der Stadt erleben – Vögel beobachten, Fische sehen, Röhricht rauschen hören“, sagt Lukas Mörchen, Geschäftsführer des BUND Hamburg. „Dass dieser Lebensraum unter massivem
Druck steht, ist vielen nicht bewusst. Die Studie macht dies sichtbar und zeigt zugleich: Eine naturnähere Außenalster ist keine Utopie, sondern mit gezielten Maßnahmen
erreichbar.“
Die Studie beschreibt konkrete Wege, wie mehr Natur an und in der Außenalster
entstehen kann. Herzstück ist ein umfangreicher Maßnahmenkatalog, der zeigt, welche Schritte geeignet sind, um Lebensräume zu verbessern oder neu zu schaffen. Eine Potenzialkarte macht
außerdem sichtbar, an welchen Stellen rund um die Außenalster diese Maßnahmen umgesetzt werden könnten.
Ein zentraler Ansatz ist die Wiederherstellung naturnaher Ufer und Flachwasserzonen. Diese sind wichtige Kinderstuben für Fische und Lebensräume für Insekten und andere Wasserorganismen. Wo heute harte Uferbefestigungen dominieren, könnten künftig naturnähere Lösungen entstehen. Auch innovative Ideen spielen eine Rolle, etwa schwimmende Vegetationsinseln.
In der offenen Wasserfläche fehlen zudem vielerorts natürliche Strukturen wie
versunkene Äste, Wurzeln oder Steine. Genau solche Elemente bieten Schutz und Lebensraum für viele Arten. Neue ökologische Strukturen unter Steganlagen, etwa sogenannte Fisch-Refugien oder mit
Naturmaterial gefüllte Körbe, könnten hier zusätzliche Rückzugsorte schaffen.
Die Studie zeigt außerdem, dass Naturschutz und Nutzung kein Widerspruch sein
müssen. Entscheidend sind eine kluge Aufteilung der Flächen, naturverträgliche Bauweisen und eine enge Abstimmung mit allen Beteiligten.
„Was diese Studie besonders wertvoll macht, ist der Dialog, der ihr
vorausgegangen ist“, sagt Malte Siegert, Vorsitzender des NABU Hamburg. „Wassersportvereine, Steginhaber, Behörden, Bezirksämter und weitere Akteure wurden von Anfang an einbezogen. Nur wenn
Renaturierung und Freizeitnutzung gemeinsam gedacht werden, entstehen Lösungen, die auch langfristig Bestand haben.“
Bis zum Ende der aktuellen Phase des Projekts „Lebendige Alster“ im Jahr 2028
sollen erste Maßnahmen direkt an der Außenalster umgesetzt und erprobt werden. Wissenschaftliche Begleitung wird zeigen, wie gut sie funktionieren und wo nachgesteuert werden muss. Die gewonnenen
Erkenntnisse könnten auch für andere Wasserflächen in Hamburg wertvoll sein und anderen Städten helfen, ihre Gewässer naturnäher zu gestalten.
„Ökologische Aufwertungen unter Berücksichtigung der vielfältigen
Nutzungsinteressen erfordern innovative Lösungsansätze und den Mut für Pilotmaßnahmen“, sagt Dr. Elisabeth Klocke, geschäftsführender Vorstand der Stiftung Lebensraum Elbe. „Mit dieser
Machbarkeitsstudie geht das Projekt ‚Lebendige Alster‘ diesen Weg konsequent weiter. Diesen integrativen Naturschutzansatz unterstützen wir sehr gerne, um neuen Raum für die Naturvielfalt im
Herzen Hamburgs zu gewinnen.“
Das Projekt „Lebendige Alster“ wird gefördert durch die Stiftung Lebensraum Elbe sowie die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft.
Die Machbarkeitsstudie zum Download: www.lebendigealster.de/service/
Pressefotos: Machbarkeitsstudie Lebendige Alster | Flickr
Bei Rückfragen:
Daniel Ruppert, [email protected], Telefon: 040 60038719

